GIRLS AT NIGHT ON THE INTERNET



BLONDE Magazine
Ausgabe 01/16

Grace Miceli

Plattformen wie Tumblr und Instagram ebnen oftmals den Weg für junge Künstlerinnen, die keinen Zugang zu der elitären Kunstwelt haben. Grace Miceli hat aus diesem Gedanken heraus die Online-Sammlung „Art Baby Gallery“ gegründet.

„Als Mädchen nachts im Internet habe ich persönlich das Selbstvertrauen gefunden, meine Arbeit zu teilen und diese Community aufzubauen, in der sich Künstler unterstützen.“ Mit 21 Jahren, als Grace Miceli im Jahr 2011 gerade vom College kam, fand sie keine Galerie, die die Werke junger Frauen ausstellte. Also eröffnete die Wahl-New-Yorkerin selbst eine – online. .

Trotz der Teen-Girl-Ästhetik vieler Arbeiten betont Grace, dass sie nicht bloß „Frauenkunst“ zeige. Vielmehr möchte sie Künstlern eine Plattform bieten, die sonst unsichtbar blieben. Teil der Community sind Sanam Sin¬dhi, die in Rihannas Video zu „Bitch Better Have My Money“ zu sehen war und die ihre Gedichte auf plüschigem Hintergrund präsentiert, Maggie Dunlap, die auch schon mal einen Einwegrasierer auf Stoff stickt, oder Ayqa Khan, die in ihren Illustrationen Körperbehaarung und Verschleierung thematisiert. .

Grace Miceli selbst fotografiert, zeichnet und malt. Ihre Kunst zeigt ihre eigenen Vorbilder aus der Popkultur wie die Häsin Lola aus dem Film „Space Jam“, Produktverpackungen, die sie mit orakel-ähnlichen Sprüchen verziert, oder ein Herz, über das eine Banderole mit „Me“ gelegt ist. Viele der Werke, darunter ein Wandteppich, zeigen Drake, von dem die Crew fast ein wenig besessen scheint. .

Im letzten Sommer sind die Art Babys das erste Mal im echten Leben für eine Ausstellung mit dem Titel „Girls At Night On The Internet“ zusammengekommen. Kurze Zeit später folgte „Take Me Home Tonight“. Beide Schauen fanden in der „Alt Space Gallery“ in Brooklyn statt, weitere sollen folgen. Ihre Kunst ist erschwinglich und lässt sich in Graces Fall sogar herumtragen: Ihre Illustrationen finden auch auf Sweatern und T-Shirts statt, die sie neben Art-Baby-Caps und Jutebeuteln mit „Girls At Night On The Internet“-Aufdruck in ihrem eigenen Online-Shop vertreibt. .

„Es scheint gerade etwas zu geschehen. Mädchen kriegen einfach ihren Hintern hoch und bringen etwas zustande. Das ist aufregend und entwickelt sich hoffentlich zu etwas Größerem!“, so Grace über diese neue Bewegung, die immer mehr ins Rollen kommt. Die Hälfte der Künstlerinnen, deren Werke sie online kuratiert, gehen noch zur Schule, sind noch dabei, sich und ihren Stil zu finden. Miceli nennt die Arbeiten dieser Mädchen „verletzlich“. Ihre Kunst dreht sich um Popkultur, um Feminität, um jugendliche Rebellion. Und oft auch um die Künstlerinnen selbst: Mädchen, die ihre Nacht im Internet verbringen.